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GEFÄHRLICHE LIEBSCHAFTEN
08.06.2012 : 19:30 : Opernhaus Hannover


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HANNOVER OPERNHAUS HANNOVER ,

Gefährliche Liebschaften
Ballett von Jörg Mannes

Musik von Mark Polscher (UA), Georg Friedrich Händel und Antonio Vivaldi
nach dem gleichnamigen Briefroman (1782)
von Pierre Ambroise François Choderlos de Laclos.

Premiere am 4. März 2010
Wiederaufnahme am 9. April 2012

Jörg Mannes´ Ballett zeigt die erotisch aufgeladene Stimmung und Morbidität des französischen Adels vor seinem Niedergang und hält zugleich der modernen Gesellschaft einen Spiegel vor.
»Ein schönes Gesicht, gute Manieren, Geist und Unverschämtheit« – mit diesen Worten beschreibt die Marquise Isabelle de Merteuil ihren Freund und früheren Liebhaber Vicomte Sébastian de Valmont, einen von seinem Stand geschätzten Mann mit dem Ruf des erfolgreichen Verführers. Beide sind die Protagonisten des 1782 erschienenen Briefromans Les Liaisons dangereuses von Pierre Ambroise François Choderlos de Laclos. Unsentimental beschreibt er aus wechselnden Perspektiven die französische Adelsgesellschaft vor der Revolution und macht den Leser zum Komplizen von Merteuil und Valmont, weil er die Indiskretion begeht, ihre Briefe zu studieren.
Aus purer Langeweile spielen Isabelle de Merteuil und Sébastian de Valmont mit den Gefühlen anderer. Ehre, Unschuld und Moral sind für sie bloße Hürden, die es zu überwinden gilt. Der Vicomte nimmt die Herausforderung der Marquise an, die tugendhafte Schönheit Madame Marie de Trouvel zu seiner Geliebten zu machen und die unschuldige Cécile de Volanges noch vor ihrer Hochzeit zu verführen. In Briefen kommentieren und beschreiben sie ihr Tun. Die Sprache ist das Instrument, mit dem sie ihre erotischen Phantasien entfachen und den anderen zum Voyeur ihres Treibens machen. Was als Spiel beginnt, dessen oberste Regel es ist, kein echtes Gefühl zu investieren, wird zunehmend quälend und macht die Freunde und Verbündeten zu erbitterten Gegnern.
Kunstvoll entlarvt der Autor die doppelbödige Moral seiner Zeit: Die Gesellschaft duldet öffentlich alles, solange die Fassade der Anständigkeit gerade noch gewahrt wird. Sie applaudiert denen, die mit größter Raffinesse unmoralisch sind, und verschmäht die, die sich lächerlich machen. Valmont scheitert, weil er sich in Marie de Trouvel verliebt, und er lässt sie fallen, um seine gesellschaftliche Ächtung zu vermeiden. Choderlos de Laclos lässt sein Sittenbild böse enden: Valmont stirbt im Duell. Die Merteuil wird durch die Veröffentlichung ihres Briefwechsels bloßgestellt, ihr finanzieller Ruin folgt, sie erkrankt an Pocken, und ihre Spur verliert sich – eine kaum zu überbietende Vielfachbestrafung.
Jörg Mannes ist fasziniert vom intriganten Spiel einer Gesellschaft, die ihre Vergnügungssucht kaschiert hinter höfischem Zeremoniell. Regeln werden raffiniert unterlaufen durch ein komplexes System von Zeichen, das eine Verständigung erlaubt und den Tabubruch in aller Öffentlichkeit ermöglicht. Die Zuschauer werden zu Zeugen der Hassliebe zwischen Merteuil und Valmont und ihrer Gefährlichen Liebschaften.

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